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Top Mieterstrom-Modelle und neue -Entwicklungen
Solarstrom und mehr für Ihr Mehrfamilienhaus

Ein Mitglied in unserem Zinshaus-Club berichtete kürzlich, dass das Thema Mieterstrom nun wesentlich einfacher geworden ist: Dienstleister übernehmen oft die komplette Organisation – von der Installation bis zur Abrechnung. Vor allem in Zeiten hoher Strompreise freuen sich Mieter darüber, wenn Solarstrom quasi schon „in der Miete“ enthalten ist. Allerdings gilt: Wer separate Energiequellen wie z.B. Fernwärme in seinem Zinshaus nutzt, hat einen geringeren Strombedarf für die Heizung. Trotzdem lohnt sich die Investition oft, weil Haushalte ja noch immer Licht, Haushaltsgeräte und Warmwasser (teils elektrisch) benötigen.
Damit Sie schnell herausfinden, ob ein Mieterstrom-Modell auch für Ihr Mehrfamilienhaus rentabel ist, hier die wichtigsten Fragen und Antworten – inklusive Direktlinks zu weiterführenden Informationen.
Was ist Mieterstrom?
Bei Mieterstrom kommt der Strom direkt aus einer Photovoltaikanlage (PV), die Sie auf dem eigenen Mehrfamilienhaus installieren. Er fließt ohne Umweg über das öffentliche Netz zu Ihren Mieter*innen. Dadurch entfallen oder reduzieren sich Netznutzungsentgelte, Stromsteuer und diverse Umlagen. Falls Ihr Haus mehr Strom verbraucht, als die PV-Anlage liefert, wird Ökostrom aus dem Netz dazugekauft.
Mehr Details finden Sie u.ä. bei großen Versorgern wie
Stadtwerken München (SWM),
1KOMMA5° (Mieterstrom einfach erklärt) oder im
Gängige Mieterstrom-Modelle
1. Vollversorgung
Der Vermieter deckt den gesamten Strombedarf der Mieter ab – inklusive PV-Strom und zukauftem Netzstrom.
Dieses Modell profitiert häufig vom Mieterstromzuschlag gemäß EEG, erfordert allerdings mehr administrativen Aufwand.
Mehr Informationen dazu bietet neben 1KOMMA5° z.B. Wegatech.
2. Teilversorgung
Vermieter liefert nur den lokal erzeugten Solarstrom. Falls das nicht ausreicht, besorgen sich die Mieter den Reststrom selbst.
Weniger Aufwand, aber keinen Anspruch auf den Mieterstromzuschlag.
3. Direkte Vermarktung
PV-Strom wird über bilaterale Verträge direkt an einzelne Mieter verkauft.
Keine zusätzlichen Abgaben, gleichzeitig jedoch keine Fördermittel.
4. Contracting-Modell
Ein externer Dienstleister (Contractor) plant, baut und betreibt die Anlage.
Er verkauft den Strom an die Mieter, während der Vermieter nur die Dachfläche bereitstellt und eine Pacht erhält.
So umgehen Sie als Eigentümer weite Teile der steuerlichen Verpflichtungen und Bürokratie.
Weitere Infos zum Contracting finden Sie von Solarserver oder Hager.
Vorteile für Mieter und Vermieter
Mieter
Zugang zu lokalem, umweltfreundlichem Strom
In der Regel günstiger als Grundversorgung (oft 10 % Preisvorteil)
Stabilere Energiepreise, weil weniger von Marktschwankungen abhängig
Vermieter
Zusätzliche Einnahmen aus Stromverkauf oder Dachpacht
Förderungen, zum Beispiel Mieterstromzuschlag oder KfW-Programme
Imagegewinn und Aufwertung der Immobilie (Stichwort: Energiewende)
Warum das Modell ein Win-Win für beide Seiten ist, erklärt etwa der BWGV (Baden-Württembergischer Genossenschaftsverband) sowie SENEC in ihren Mieterstrom-Ratgebern.
Gesetzlicher Rahmen und Förderungen
Die Förderung von Mieterstrom ging 2017 mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) an den Start. Eine wichtige Neuerung der EEG-Novelle 2023:
Maximale Anlagengröße für Mieterstrom stieg auf 1000 kWp.
Förderungen je nach Leistung zwischen 1,64 und 2,62 Cent/kWh.
Weitere Informationen finden Sie in der Studie „Großes ungenutztes Potenzial beim Mieterstrom“ vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW).
Eine gute Übersicht über das Mieterstrommodell selbst bietet auch Wegatech.
Steuertipps: Wenn Sie eine kleinere Anlage (bis 30 kWp) auf Ihrem Gebäude betreiben, gelten seit 2023 teils vereinfachte steuerliche Regeln. Genaueres erklärt Zolar in einem Beitrag zu den 10/30 kWp-Grenzen.
Herausforderungen
Technik & Administration: Besonders bei Vollversorgung oder bei Eigenbetrieb müssen Sie alle Rollen des Energieversorgers übernehmen: Anmeldung beim Netzbetreiber, Abrechnung, Messstellenbetrieb usw.
Planungssicherheit: Mieterstrom benötigt eine gewisse Teilnehmerquote. Wenn nur wenige Mieter mitmachen, sinkt die Wirtschaftlichkeit.
Fernwärme: In Gegenden mit Fernwärmeanschluss ist der Strombedarf für Heizung niedriger. Trotzdem bleibt Mieterstrom z. B. für Warmwasser, Haushaltsgeräte und Beleuchtung attraktiv.
Aus Sicht des Herstellers SENEC und anderer Experten liegt dennoch ein großes Potenzial in urbanen Räumen, da dort immer mehr Mehrfamilienhäuser aufgerüstet werden können.
Blick in die Zukunft: KfW-Studie und mehr
Laut einer aktuellen KfW-Studie (Fokus Volkswirtschaft Nr. 457) ist das Potenzial für Haushalts-PV – und damit auch für Mieterstrom – bei Weitem nicht ausgeschöpft. Gerade Neubauten und sanierte Bestandsimmobilien können durch PV-Integration deutlich zur Energiewende beitragen.
Wie eine neue Energiepolitik nach der Bundestagswahl Mieterstrommodelle beeinflussen könnte
Die Energiepolitik nach der Bundestagswahl könnte erheblichen Einfluss auf Mieterstrommodelle haben. Falls der Fokus stärker auf Atomkraft oder andere zentrale Energiequellen gelegt wird, könnten sich folgende Auswirkungen ergeben:
Marktveränderungen: Sinkende Strompreise durch neue Atomkraftwerke oder große Kraftwerke könnten die Wirtschaftlichkeit von Mieterstrom beeinflussen. Investoren müssten sich stärker auf Eigenverbrauch und Speicherlösungen konzentrieren.
Netzintegration: Falls Atomstrom stärker gefördert wird, könnte dies zu einer geringeren Flexibilität in der Netzeinspeisung führen. Das könnte den Anreiz für dezentrale Energieversorgung verringern.
Regulierungsanpassungen: Politische Maßnahmen könnten den Ausbau erneuerbarer Energien entweder beschleunigen oder durch neue Anforderungen bremsen.
Schlussfolgerung für MFH-Privatinvestoren: Um sich zukunftssicher aufzustellen, sollten Investoren wohl verstärkt auf Eigenverbrauch und Speichertechnologien setzen. Langfristige Verträge mit Mietern und flexible Geschäftsmodelle könnten helfen, sich an neue politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen anzupassen.
Schritt-für-Schritt: So setzen Sie Mieterstrom in Ihrem Zinshaus um
1. Bedarfsanalyse
Ermitteln Sie den ungefähren Strombedarf im Haus. Nutzen Sie ggf. anonymisierte Verbrauchsdaten Ihrer Mieter.
2. Wirtschaftlichkeitsberechnung
Holen Sie mehrere Angebote für PV-Anlagen ein. Vergleichen Sie Vollbetrieb, Pacht- oder Contracting-Modelle.
3. Fördermöglichkeiten prüfen
Informieren Sie sich über mögliche KfW-Förderkredite oder Zuschüsse der Landesbanken.
4. Entscheidung fürs Modell
Eigenbetrieb (höhere Rendite, mehr Arbeit) vs. Pacht-/Contracting-Modell (geringeres Risiko, weniger Verwaltungsaufwand).
5. Verträge & Anmeldung
Mieter dürfen nicht verpflichtet werden (Kopplungsverbot). Bieten Sie den Stromvertrag separat und transparent an.
Melden Sie die PV-Anlage beim Netzbetreiber und ggf. bei der Bundesnetzagentur an.
6. Umsetzung & Kommunikation
Kommunizieren Sie frühzeitig mit den Mietern und erklären Sie die Vorteile.
Ein externer Dienstleister kann den technischen Betrieb und die Abrechnung übernehmen.
Fazit für Privatinvestoren und Vermieter
Mieterstrom-Modelle bieten eine spannende Möglichkeit, Rentabilität und Nachhaltigkeit Ihres Mehrfamilienhauses zu steigern. Dank neuer Dienstleister, die Komplettlösungen (inklusive Abrechnung und Kundenservice) anbieten, ist die Umsetzung deutlich einfacher geworden.
Vorteil: zusätzliche Einnahmequelle oder Dachpacht, attraktiver Strompreis für Mieter, Wertsteigerung der Immobilie.
Nachteil: In Gebieten mit Fernwärme etwas geringerer Bedarf, trotzdem lohnenswert durch steigende Strompreise für andere Haushaltsbereiche.
Wenn Sie also Ihr erstes oder nächstes Zinshaus planen oder sanieren, könnte Mieterstrom der entscheidende Rendite-Booster sein – und Ihren Mieterinnen und Mietern einen zukunftsfähigen, grünen Mehrwert bieten.
Tipp: Tauschen Sie sich mit erfahrenen Investorinnen und Investoren aus unserem Zinshaus-Club aus, um praktische Erfahrungsberichte und Tipps zu erhalten. So sparen Sie sich Umwege bei der Umsetzung und maximieren Ihren Erfolg mit Mieterstrom.